Über Kultur(en)

Ich werde oft gefragt, was ich während des Seminars "Medienarbeit mit Geflüchteten" im Austausch mit meinen Kommilitonen über andere Kulturen erfahren habe. Seither habe ich viel über den Begriff der Kultur nachgedacht: Gibt es Kultur und damit Kulturen? Was zeichnet eine Kultur aus? Und wie können wir Kulturen beschreiben, wenn wir selbst Teil kultureller Praktiken sind?


Grafik: Kultur

In den letzten Wochen und Monaten habe ich in dem Seminar „Medienarbeit mit Geflüchteten“ viele Menschen kennengelernt und über das Seminar hinaus auch echte Freunde gewonnen. Im Rahmen einer Gruppenarbeit bin ich auf Amir gestoßen. Wir haben uns in den vergangenen Wochen viel über Familie, Kindheit und Heimat ausgetauscht. Inzwischen werde ich demnach oft gefragt, was ich im Austausch mit meinen Kommilitonen über andere Kulturen erfahren habe. Seither habe ich viel über den Begriff der Kultur nachgedacht: Gibt es Kultur und damit Kulturen? Was zeichnet eine Kultur aus? Und wie können wir Kulturen beschreiben, wenn wir selbst Teil kultureller Praktiken sind?


In diesem Zusammenhang liegt es nahe, sich im ersten Schritt mit der eigenen Kultur auseinanderzusetzen. Land der Dichter & Denker, Land des Reinheitsgebots, Land einer schrecklichen Geschichte – sehr dürftig. Also habe ich recherchiert und bin schnell auf den kürzlich von der CSU geprägten Begriff „deutsche Leitkultur“ gestoßen. Neben bestimmten Werten und Normen, werden vor allem Symbole unseres Landes betont. Sie würden in Zeiten gesellschaftlicher Unruhe „Halt und Orientierung“ bieten. Zumindest zweifelhaft, ob eine schwarz-rot-goldene Fahne im Garten wirklich Sicherheit geben kann. Und was ist mit Werten und Normen? „In Deutschland gibt man sich zur Begrüßung die Hand.“ In Frankreich ein Küsschen und in der Türkei eine Umarmung. Das ist (nationale) Kultur?


Und irgendwann bin ich auf ein sehr interessantes Zitat gestoßen. Auf die Frage, wer „wir“ seien, antwortet Thomas de Maiziere, dass nicht jeder, der sich für eine gewisse Zeit in Deutschland aufhält, auch Teil dieses Landes wird. Diese Aussage kann höchstens eine persönliche Meinung widerspiegeln. Ich möchte nicht, dass ein Fremder für mich entscheidet, wer Teil des Landes ist, in dem ich lebe. Auch Menschen, die sich nur für eine kurze Zeit in Deutschland aufhalten, können

sich prägend auf meine Persönlichkeit auswirken und so Teil meiner Biografie werden. Ich erfahre und lerne von ihnen, kann mich aber ebenso abgrenzen. Und ist es nicht gerade das, was einen Kulturprozess ausmacht?


Die eingangs formulierte Frage möchte ich allerdings noch beantworten. Eigentlich habe ich gar nicht so viel Neues gelernt. Kultur scheint eng mit dem Sozialisationsprozess zusammenzuhängen: Wir wurden von unseren Eltern getröstet, wenn wir traurig waren. Wir haben gerne unter dem Apfelbaum unserer Großeltern verstecken gespielt. Wir haben mit unseren Freunden auf Lan-Partys das damals aufregende Counter-Strike gespielt. Wir haben viel Blödsinn in der Schule getrieben.

Und viele dieser Entscheidungen bereuen wir heute. Und wir haben jetzt das gemeinsame Ziel, unsere Zukunft erfolgreich und glücklich zu gestalten. Achja, wir lieben beide Pommes.


David Schneider

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